enorm & YouGov: Freiwillig mehr Steuern zahlen – löblich oder noch zu wenig?

Anstoß zu der Befragung, ob Reiche und Wohlhabende Menschen in Deutschland mehr Steuern und Abgaben zahlen sollten, war, neben dem aktuellen Sparpaket der Bundesregierung, unter anderem die „Giving Pledge“-Aktion von Warren Buffett und Bill Gates in den USA. Die beiden Unternehmer hatten erklärt, nach ihrem Tod den Großteil ihres Vermögens wohltätigen Einrichtungen zu spenden, darüber hinaus haben sie andere Millionäre dazu aufgerufen, ihrem Beispiel zu folgen.

Auf der Aktionswebsite heißt es, die 400 reichsten Amerikaner der Forbes-Liste sollen dazu ermuntert werden, den Grossteil (mindestens 50%) ihres Privatvermögens bereits zu Lebzeiten oder nach ihrem Tod Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden. Dabei soll es jedoch nicht darum gehen, das Geld zu sammeln oder nur einer einzigen Organisationen zukommen zu lassen. Auch sollen die Spenden nicht in Stiftungen fließen, sondern, wie Buffett in seinem Pledge erklärt, aktuellen Bedürfnissen zugute kommen.

Darüberhinaus soll jeder der „Pledger“ (Spender) zusätzlich ein Statement veröffentlichen, in dem erklärt wird, warum er oder sie sich zu diesem Schritt entschlossen hat.

Um die Spendenbereitschaft deutscher Wohlhabender auszuloten, hat enorm kürzlich eine Anfrage an 27 Deutsche der Forbes-Liste ausgesendet. In der noch laufenden Umfrage wird gefragt, ob sie sich ebenfalls vorstellen könnten, nach dem Beispiel Buffetts und Gates den Großteil des Privatvermögens nach ihrem Tod zu spenden. Das Ergebnis werden wir in unserer September-Ausgabe veröffentlichen.

Darüber hinaus wollten wir in einer repräsentativen Umfrage herausfinden, wie die Deutschen die Bereitwilligkeit der Besserverdiener bewerten, die kürzlich öffentlich verkündeten, freiwillig mehr Steuern und Abgaben zahlen zu wollen. Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov/Pychonomics haben wir 1024 Menschen in ganz Deutschland, quer durch alle Einkommens- und Altersschichten, zu der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatte befragt.

25% aller Befragten finden demnach dass die Bereitschaft der Reichen und Besserverdiener, mehr Steuern zu zahlen, durchaus eine vorbildliche Haltung sei. Diese Einschätzung zieht sich durch alle Altersklassen und Einkommenssituationen.

Das zeigt, dass die Debatte um höhere Abgaben vermutlich eine moralische und weniger eine von monetärem Hintergrund getriebene ist. Deutlich wird das daran, dass nur 3% der Geringverdiener (unter 1000€ Haushaltsnettoeinkommen) dafür sind, dass die Reichen von staatlicher Seite dazu verpflichtet, nach ihrem Tod dreiviertel ihres Kapitals gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung zu stellen. Bei den Gutverdienern mit 10.000€ und mehr Nettoeinkommen im Monat stimmten sogar 13% für eine gesetzliche Abgabe- bzw Spendenpflicht nach dem Tod.

Auffällige Abweichungen in den Antworten finden sich indes in den neuen Bundesländern: In Brandenburg loben lediglich 9% die Bereitschaft der Reichen, mehr Steuern und Abgaben zu zahlen, in Mecklenburg-Vorpommern hingegen 39%. Überhaupt polarisiert das Meinungsbild in den neuen Bundesländern stärker als in den alten. So finden immerhin gut 19% der Sachsen, dass es gesetzliche Auflagen zu Spenden nach dem Ableben geben sollte, in Sachsen-Anhalt stimmten dem lediglich sieben Prozent zu.

Tatsächlich ist die Hälfte aller Befragten einig darin, dass die Bereitschaft, freiwillig mehr Spenden und Abgaben zu zahlen „gut“ sei, allerdings ist jeder Zweite dieser Gruppe der Meinung, dass die Reichen insgesamt noch mehr tun müssten, um zur Überwindung sozialer Missstände beizutragen.

Zur Pressemitteilung: PM enorm Umfrage Spenden-Bereitschaft

Ergebnisse der aktuellen enorm/YouGov Psychonomics Umfrage Juli/2007

Ergebnisse der aktuellen enorm/YouGov Psychonomics Umfrage Juli/2007

2 Kommentare

  1. [...] Deutsche und wie diese von der Bevölkerung eingeschätzt wird. Letzte Woche haben wir an dieser Stelle in unserem Blog die Ergebnisse weiter ausgeführt. var flattr_wp_ver = '0.9.11'; var flattr_uid = '22360'; var [...]

  2. [...] christen mit anarchistischen anwandlungen zum glück nicht so gross. Hier sehen 33% der befragten einer umfrage die reichen trotz spendenaktion noch in der pflicht und 42% tadeln die profit- und machtgier, mit [...]

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