Rückwärts ist Stromerzeugung
Zuletzt Nierengurt angelegt und Visier heruntergeklappt habe ich vor gefühlten zehn Jahren. Und nun soll ich also nach Groß Borstel und bei Blue Planet Vehicles einen Elektroroller zum Probefahren abholen.
In Gedanken hänge ich meiner orangenen Retrovespa nach, ihrer Leichtigkeit, Wendigkeit – ein Klassiker. Mit 16 Jahren hab ich meinen „Kleinmotorrad“-Führerschein gemacht; 80 Stundenkilometer, mit dem 18. Geburtstag wurde die Geschwindgkeit automatisch auf 120 km/h hochgestuft.
Nun, das befähigte mich also als Einzige aus der Redaktion, den Elektroroller von Vectrix Probe zu fahren.
Ankunft im Gewerbegebiet. Zwei große Maschinen stehen im Raum und ein kleiner Roller. Sieht ja ganz ok aus, denke ich. Wie eine kleine Vespa. Schwarz, schlicht, super. Einzig das Nummernschild irritiert mich, denn es ist eine Versicherungsnummer. Heißt, mein Probemodell kann es nicht sein. Zielstrebig schiebt Herr Preiss das etwas kleinere der beiden wuchtigen Zweiräder aus dem Raum: „So, dann wollen wir mal! Ich weise Sie ein.“ Ich schlucke und denke: Besser so!
Mit seinen 240 Kilo ist der Vectrix Roller mehr als viermal so schwer wie ich. Als ich mich raufsetze, reiche ich mit meinen Füßen kaum an den Fußboden. Die ersten Handgriffe: unsicher, respektvoll und aufgeregt.
Wie in den ersten Fahrstunden drehe ich vorsichtige Kreise und fahre Achten, außerdem: Anfahren, Bremsen, Anfahren, Bremsen. Läuft doch.
Der Witz: Der Geschwindigkeitsregler kann auch zum Bremsen benutzt werden. Zu mir drehen ist losfahren, weg von mir Abstoppen. Wenn dann weitergedreht wird, geht’s Rückwärts. Aber das allein ist noch nicht wirklich innovativ.
Der Clou besteht darin, dass durch diese Gegenwirkung der Antrieb wieder selbst Strom speisen kann. Zwar nicht genug, als dass der Roller nie an die Steckdose müsste, aber doch immerhin soviel, dass ich auf knapp acht Kilometern meine Reichweite von 74 Kilometern beim Losfahren in Groß Borstel auf 90 Kilometer bei der Ankunft in Eimsbüttel erhöhen konnte.








