Initiative 10Rappen: Zara reagiert auf Vorwürfe

Wie werden die Dinge, die wir kaufen, eigentlich hergestellt? Wenn auch nicht aus Desinteresse, sondern falscher Bequemlichkeit oder der Begeisterung über die neueste Errungenschaft heraus: Zu oft gehen wir über diese Frage zu leicht hinweg. Sei es nur, dass wir aufgrund des vielfältigen und günstigen Angebots bei Zara, H&M oder auch Vero Moda einkaufen.

Dennoch, der Gedanke, dass diejenigen, die an der Produktion der neuen Jeans oder des tollen Shirts beteiligt waren, von ihrem Lohn nicht einmal wirklich ihre Existenz sichern können, trübt jede Shopping-Freude. Zu Recht. Mit der Unterstützung der Clean Clothes Campaign, einer Initiative zur weltweiten Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie, möchte die Schweizer NGO Erklärung von Bern nun auf Missstände aufmerksam machen – und zeigt außerdem, dass faire Löhne sowohl im Budget der Firmen als auch der Konsumenten liegen. Oft sind es nur 10 Schweizer Rappen, etwa 8 Cent, pro Kleidungsstück mehr im Verkauf, die den Arbeitern zum sogenannten Existenzlohn verhelfen würden.

Wie die Kampagne diesen durchsetzten möchte? Die Koalition von Aktionsgruppen, Gewerkschaften und weiteren NGOs aus verschiedensten Teilen der Welt setzt vor allem auf eins: Aufklärung der Konsumenten und damit Druck auf die Firmen; Druck, die Öffentlichkeit über ihr Handeln an den Produktionsstandorten zu informieren, vor allem aber Druck, ihr Verhalten zu überdenken und zu handeln.

Ein Instrument ist dabei auch die Internet-Plattform 10rappen.ch, die aktuell über zehn Wochen Protestaktionen gegen verschiedene Labels organisiert, die sich in den Produktionsländern nicht zu existenzsichernden Löhnen verpflichten und so die menschenunwürdige Gesetzeslage vor Ort ausnutzen – oder zumindest nichts dagegen tun. Jede Woche stehen dabei andere Unternehmen unter Protest, den die Konsumenten online unterstützen können.

Eins der Unternehmen, gegen die sich die Aktion bislang richtete, war Zara. In der Rubrik Internationale Mode wurde in der vierten Woche der Initiative gegen die Marke protestiert, unzählige Konsumenten schickten über das Portal Protestbotschaften. Und Inditex, der Konzern, zu dem Zara gehört, reagierte prompt. Das Schreiben an die Verantwortlichen der Plattform 10rappen.ch ist auf der Homepage nachzulesen. Zusammengefasst heißt es dort: Die Löhne, die das Unternehmen, das sich auf vielfältige Weise für sozial und ökologisch verantwortungsvolles Wirtschaften einsetze und darüber auch in seinem Nachhaltigkeitsbericht umfassend informiere, zahle, seien existenzsichernd – und dies sei Zara auch ein wichtiges Anliegen. Geregelt werde dies in Zaras Code of Conduct, einem Verhaltenskodex, der bei vielen Unternehmen mit globaler Lieferkette vertragliche Basis der internationalen Geschäftsbeziehungen ist. Inhalt: Standards für die Arbeit der Produktionsbetriebe, die durch nationale Gesetze nicht abdeckt werden; unter anderem eben auch faire Lohnzahlungen. Kurz: Die Vorwürfe seien schlichtweg falsch, heißt es vom Textilriesen.

Reaktion der Initiative: Falls dies so stimme, mache das Unternehmen diese Tatsache in seinen Veröffentlichungen nicht deutlich genug. Der Existenzlohnkampagne sei eine große internationale Firmenbefragung vorausgegangen, in deren Rahmen unter anderem die Geschäftspolitik, die Verhaltenskodizes und auch die Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Fabriken durchleuchtet wurden. Bei Inditex kam dabei folgendes Ergebnis zutage: Kein Hinweis darauf, dass Existenzlöhne gezahlt und wie die gezahlten Löhne berechnet werden; keine klare Selbstverpflichtung.

Wer hat nun Recht? Nicht nur wegen der Standorte der Produktionsbetriebe ist dies schwer nachzuvollziehen. Fakt ist: Ein Code of Conduct erfüllt seinen Zweck nicht bloß durch seine schiere Existenz auf dem Vertragspapier. Seine Einhaltung muss auch garantiert werden. Dies erfordert Vertrauen, meist aber ebenso regelmäßige Kontrollen. Fakt ist auch: Gerade ein Konzern wie Inditex ist definitiv in der Position, innerhalb der Textilindustrie viel für faire Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette zu erreichen. Er hat die Macht dazu – und auch die Verantwortung. „Erklärung von Bern“ möchte das Handeln des Textilriesen in jedem Fall weiter beobachten und darüber berichten. Und das ist gut. Transparenz und Aufklärung sind wichtige Ansatzpunkte, wenn es darum geht, bei denjenigen etwas zu verändern, die es in der Hand haben: Den Käufern.

Wer sich darüber hinaus über die Kampagne, die noch geplanten Proteste und das Thema im Allgemeinen informieren möchte, findet entsprechende Informationen auf der Homepage der Aktion.

Text: Christina Stender

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