Shirts für den Kompost: Die Cradle-to-Cradle-Kollektion von Trigema
Als einer der ersten Textilhersteller führt die deutsche Firma Trigema mit Change eine Cradle-to-Cradle Lifestylekollektion ein – ein erster Shop in Berlin soll bald folgen
Herr Grupp, sie haben kürzlich die weltweit erste Cradle-to-Cradle Kollektion bei Trigema eingeführt.
Change ist unsere erste Lifestyle Kollektion, seit vier Jahren haben wir schon eine sportliche Kollektion auf dem Markt. Um etwas auszuholen: Auch im Automobilbereich und bei den Stromversorgern kommen Alternativen auf uns zu. Beim Elektroauto gab es erst einen Prototyp, der wird getestet und wenn es soweit ist, dann kann man ins Design gehen. Und genau das ist
bei uns jetzt auch passiert. Sie konnten Cradle-to-Cradle (C2C) in der Klassik schon kaufen, jetzt haben wir es in modische Formen gebracht.
Wie kam es zu der neuen Kollektion?
Die Designerin Mona Ohlendorf, in Berlin sitzend, hat mich angeschrieben und sagte, da sei doch ein Potenzial auch in modischer Richtung mit C2C und hat mir große Ideen vorbereitet. Ich wollte, dass sie auch verantwortlich zeichnet, wir konnten uns einigen und deshalb ist sie jetzt bei Trigema in Burladingen stationiert.
Wie lange hat es gedauert von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Shirt im Onlineshop?
Bei uns wird schnell entschieden, entweder ja oder nein. Vom ersten Kontakt bis zum Verkauf hat es ein Jahr gedauert.
Soll die Kollektion noch erweitert werden? Gibt es Potenzial das größer zu fahren?
Das langfristige Ziel ist, den Wandel der Zeit mit zu vollziehen. Und die Größe der Kollektion wird natürlich durch den Verbraucher entschieden. Wir haben jetzt den ersten Schritt gemacht und wollen auch bald mit einem Einzelhandelsgeschäft in Berlin starten.
Können Sie denn jetzt nach den ersten Wochen schon sagen, wie es ankommt?
Nein, aber wir sind optimistisch. Wir haben jetzt erstmal eine kleine Kollektion von elf Teilen für Männer und Frauen herausgebracht und versuchen damit, Erfahrung zu sammeln.
Das Prinzip Cradle-to-Cradle bedeutet von der Wiege zur Wiege, wie ist der Lebenszyklus eines C2C-Shirts?
Wir verwenden für die C2C optimierten Produkte Färbe- und Ausrüstungschemikalien die in Zusammenarbeit mit “EPEA internationale Umweltforschung”, dem Institut von Prof. Braungart, ausgewählt, entwickelt und nach human-ökotoxikologischen Gesichtspunkten untersucht wurden. Das Shirt selber besteht aus 100 % Biobaumwolle. Alle Chemikalien die wir zum Färben und Ausrüsten von Trigema Change verwenden, sind entweder unschädlich für das Ökosystem oder sogar förderlich und werden mit der Pflanzenfaser zu biologischem Nährstoff. Und das ist das tolle an diesen Produkten, sie werden nie zu Abfall, sondern geben alle eingesetzten Rohstoffe in Form von biologischem Nährstoff an den Boden zurück. Nichts Unverwertbares entsteht, nichts geht verloren. Das ist die eigentliche Revolution.
Auch Ausrüstung und Farbe?
Wir färben und rüsten nicht mit Pflanzenfarbe o.ä aus, sondern mit hochwertigen, förderlichen und unkritischen Chemikalien, die sich aufgrund ihrer Qualität und Eigenschaften positiv auf das Ökosystem auswirken. Und auch positiv für den menschlichen Organismus sind, da sie keinerlei Risiko in Form von gesundheitsschädlichen Substanzen enthalten.
Ist die Farbechtheit dann trotzdem noch gewährleistet?
Ein entscheidender Punkt bei der Entwicklung der C2C Produkte war der Anspruch, eine Qualität zu erreichen, die in Bezug auf die Farbechtheit und Pflegeeigenschaften mit konventionellen Produkten gleichzieht. Die Farbechtheit ist absolut gewährleistet und vergleichbar mit herkömmlichen Farbstoffen. Alle Teile sind bei den üblichen 40°C für Buntwäsche in der Maschine waschbar.
Wie lange braucht das Shirt auf dem Komposthaufen, um zu verrotten?
Wir haben das schon in unserer ersten C2C-Kollektion vor Jahren in einem öffentlichen, industriellen Kompostwerk getestet. Wir haben es alle zwei Monate nachgeprüft, bereits nach sechs Monaten war der Übergang ins Erdreich vollzogen. Vorraussetzung ist, dass der Kompost luftdicht abgeschlossen ist.
Interview: Catharina Swantje Muuß







Zur letzten Frage noch eine Anmerkung:
Vermutlich wird eine Kompostierung im Privaten Kompost eher suboptimal ablaufen, weil die Sicherstellung der Randbedingungen (z.B. Luftdichtheit) schwierig werden könnte. Des Weiteren kommt der Faktor Temperatur hinzu. Meines Wissens muss eine konstante, relativ hohe Temperatur während des Kompostiervorgangs gewährleistet werden.
Einerseits wäre es (bestimmt) für den Kunden ein tolles Erlebnis, das langsame Zersetzen des Shirts mit eigenen Augen zu sehen. Trotzdem kann sehr wahrscheinlich eine erfolgreiche Kompostierung nur in grossen industriellen Anlagen erfolgen?! Die Frage ist, inwieweit kommuniziert wird, wie der Kunde sein Shirt kompostieren kann? Kann ich als Kunde mein Shirt auch Trigema zurücksenden, sodass das Unternehmen das (effizientere) Kompostieren für mich vornimmt?
Hallo Marco,
interessante Frage! Dem werden wir nachgehen.
LG
enorm-Blog-Team
Marco, ganz richtig, allerdings funktioniert im Moment die Kompostierung in den Biokompostwerken auch nicht, da alles was nicht klassischer Kompost ist, wie z.B. auch Biopolymere und wahrscheinlich auch die shirts als Fremdstoffe gesehen werden und dann verbrannt werden. Habe da auch gerade Erfahrungen gemacht, da ist noch großer Handlungsbedarf, der sich offensichtlich für die Entsorger noch nicht lohnt.
Das wissen die Verbraucher nicht, denn die Zertifizierung/ der Keimling auf Biopolymerprodukten
weisst auf die Kompostierung hin, und wenn dann der brave Konsument das Produkt in die braune Tonne wirft, wird es auf jeden Fall nicht wie erwartet kompostiert…leider
Liebe Christine,
das ist ein wichtiger Punkt, den du da ansprichst. In der Tat gibt es bei der Kompostierung von beispielsweise Plastiktüten aus Bioplastik noch Probleme, wie auch das Video der Kollegen von der Zeit beweist:
http://www.zeit.de/video/2011-08/1090911485001#autoplay
Hi Christine!
Vielen Dank für deinen Input. Den Videobeitrag auf Zeit habe ich gesehen, sehr spannend. Das Problem bei “kompostierbaren” Plastiktüten ist, dass sie zu 50% aus Erdöl-basierten Stoffen bestehen und der Rest aus biologisch-abbaubaren. Für kommerzielles Kompostieren in Großanlagen macht es viel mehr Sinn, kompostierbare Papiertüten zu verwenden. Diese können binnen 6 Wochen zersetzt werden, was wiederum den “Kompostier-Kriterien” entspricht, um daraus anschließend Blumenerde herzustellen.
Der C2C Ansatz (biologischer Kreislauf) ist ne tolle Sache, jedoch aus meiner Sicht noch nicht ganz zu Ende gedacht. Damit meine ich nicht das Kompostieren an sich, sondern mit welchen Hürden ein Konsument immer noch konfrontiert ist. Wie kann bspw. ein geeignetes “Mikroklima” im eigenen Garten geschaffen werden, um erfolgreich zu kompostieren? Wie muss ein T-Shirt auf dem Kompost platziert werden?
Könnte Trigema mir jedoch anbieten, dass Sie mein Shirt effizient kompostieren und daraus sogar ne “ongoing” Story entwickeln, fände ich das ne tolle Sache.
Ich habe ein solches Shirt bestellt. Kaum zu glauben, aber wahr: Leider kam es zweifach in Plastik eingepackt an.
Schade, die Idee ist gut, doch wenn der Vertriebsweg nicht konsequent mit einbezogen wird, ist ein solches Produkt sinnlos.