
Filmplakat "An einem Samstag"
An Samstagen gehen die meisten Menschen entspannten Beschäftigungen nach, so sie nicht arbeiten müssen. Sie schlafen aus, frühstücken, gehen zum Sport und einkaufen, treffen sich mit Freunden oder verbringen die Zeit mit der Familie.
Valerij, der Protagonist in “An einem Samstag” startet seinen Feiertag damit, dass er durch die Nacht rennt, keuchend zur Parteizentrale. Dort treffen sich seine Parteikollegen, um zum Atomkraftwerk zu fahren – Valerij darf nicht mit. Also rennt er dem Wagen hinterher. Als auch er am Meiler ankommt, außer Atem und mit manischem Gesichtsausdruck, schmeißt ihn sein Parteifreund raus. Man ahnt es, Valerij lässt sich nicht leicht abschütteln. Er schleicht sich wieder ein und wird wieder rausgeworfen. Die Partei spielt die Explosion runter, die Bevölkerung soll vorerst nicht informiert werden.
Der schon längst vertrahlte Protagonist fasst also den Plan, mit seiner Freundin zu fliehen. Wieder rennt er. Diesmal, um Vera aus dem Mädchenwohnheim zu holen. Gemeinsam rennen sie zum Zug. Doch zu allem Überfluss bricht Vera der Absatz und sie will sich im Kaufhaus neue Pumps kaufen, schließlich könne sie ohne Schuhe nirgendwohin. Ihren Reisepass hat sie in einem Restaurant, an dem sie am Abend mit Valerijs alter Band auftritt. Auch der muss noch abgeholt werden.
Valerij, mittlerweile mit irrem Gesichtsausdruck lässt sich schließlich dazu hinreißen, sich doch wieder ans Schlagzeug zu setzen, der Abend eskaliert in einem Trink- und Prügelgelage, an dem keiner die auch nicht greifbare Gefahr nach dem Super-GAU wahrhaben will.

Valerij (Anton Shagin) hat das Ausmaß der Katastrophe erkannt © Bavaria Pictures
Regisseur Alexander Mindadze wollte in “An einem Samstag” bewusst auf die menschliche Komponente setzen und die Fakten zu dem Reaktorunfall ausblenden. Er hätte wohl gut daran, weniger Valerij und mehr Tschernobyl ins Bild zu setzen. Der Protagonist mit seinem nur leicht changierenden Gesichtsausdruck, bei dem es schwer auszumachen ist, ob er nun lächelt oder manisch ist, macht es dem Zuschauer bisweilen schwer, der Geschichte zu folgen. Doch immer wieder ziehen einen packende, sehr körperliche Szenen von Hauptdarsteller Anton Shagin in das Geschehen. Ein Film über Tschernobyl zum 25. Jahrestag, der die unsichtbare Gefahr zum Thema hat, das letzte Aufbegehren von Lebenslust im Angesicht des Todes ist nicht falsch. Und über den Tag nach der Katastrophe, einen ganz normalen Samstag, an dem das Leben einfach seinen gewohnten Lauf nahm. Die Menschen wurden erst 36 Stunden nach der Katastrophe evakuiert.
“An einem Samstag” startet morgen in den Kinos.
Text: Catharina Swantje Muuß, Bilder: Bavaria Pictures