Pumas FAAS 300 Jamaica Laufschuh kostet 100 Euro. Pumas Wasserverbrauch rund 47 Millionen. Die Luftverschmutzung schlägt noch mal mit etwa der gleichen Summe zu Buche. Insgesamt kommt Puma so auf eine Summe von 94,7 Millionen Euro.
So lautet das Ergebnis der Ökobilanz, die der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach zum ersten Mal aufgestellt hat. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCooper und der Umweltberatung Trucost hat Puma die Summe errechnet, die sich an Umweltverschmutzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette, inklusive Zulieferern, ergibt. Das Unternehmen ist damit Vorreiter in Sachen Offenlegung der ökologischen Schäden, die es anrichtet.
Manfred Santen von Greenpeace sagte, das Engagement von Puma gehe in die richtige Richtung: „Die Textil- und Sportartikelindustrie gibt sich Mühe. Ob das Greenwashing ist, ist schwer zu sagen, aber man muss es ernst nehmen.“ Auch der Umweltpolitik-Professor Dr. Ulrich Scheele der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg bewertet die Ökobilanz des fränkischen Sportartikelherstellers positiv: „ Wenn es Umwelt und Wissenschaft nützt, ist egal, aus welchen Gründen das passiert, es gibt 30 DAX Unternehmen, die so etwas nicht machen.“
Im Herbst sollen die Zahlen um den Anteil komplettiert werden, die der Konzern an Smog, Abfall und Flächenverbrauch hat. Im kommenden Jahr wird der Bericht um soziale Standards erweitert, wie etwa faire Löhne und Arbeitsbedingungen. Puma Chef Jochen Zeitz sieht seinen Konzern als Vorreiter und hofft auf viele Nachahmer, einige Unternehmen hätten bereits Interesse an den Ergebnissen angemeldet, auch, dass damit das Image von Puma aufpoliert werden soll, daraus macht Zeitz keinen Hehl. Umweltverbände bleiben gelassen.
Ziel ist es, die Zahlen mit Pumas ökonomischem Nutzen zu verrechnen. Aus der Gegenrechnung der negativen Seiten mit der Schaffung von Arbeitsplätzen, Steuerzahlungen und wohltätigen Initiativen, soll sich so ein neues ökonomisches Gesamtbild des Konzerns bilden. Und es macht den Begriff Nachhaltigkeit und wie Unternehmen dies sinnvoll in ihre Jahresbilanz einbeziehen können, greifbar.
Puma will die Ergebnisse der ökologischen Gewinn- und Verlustrechnung dafür nutzen, in Zukunft den Verbrauch von Wasser und Rohstoffen zu senken und Abfall zu vermeiden. Dafür ist es notwendig, dass das Unternehmen vor allem auch auf seine Zulieferer einwirkt, denn die machen den Großteil der Negativ-Rechnung aus, nur gut sieben Millionen entfallen auf Puma selbst. Eine schwierige Aufgabe: „ Es ist eine große Herausforderung, wie man Einfluss auf die Vorlieferanten nehmen kann, um die Ergebnisse umzusetzen“, so Scheele.
„Die Unternehmen müssen aktiv werden“, so Dr. Frauke Fischer, Umwelt-Dozentin an der Uni Würzburg. „Puma exponiert sich in sehr großem Maße, das ist als durchaus positiv zu beurteilen. Denn noch ist eine derartige Ökobilanz nichts, was sich die Unternehmen freiwillig ans Bein binden müssten“, so die Expertin für Biodiversität. In einem Punkt jedoch geht ihr die Ökobilanz noch nicht weit genug: „Selbst wenn die Rechnung um Smog, Abfall und Flächenverbrauch erweitert wird, fehlt noch der Aspekt der Biodiversität. Experten weltweit sind sich jedoch einig, dass der Rückgang der biologischen Vielfalt ein noch viel größeres Problem darstellt als der Klimawandel, und dass der Rückgang den Klimawandel noch weiter vorantreibt.“ Standards für die Berechnung, den Wert, den diese Schäden an der Umwelt verursachen, gibt es freilich noch nicht: „Wasser hat überall auf der Welt beispielsweise einen anderen Wert“, so Fischer, „In Mali ist es wertvoller als beispielsweise in Deutschland, das hängt mit der Knappheit zusammen. Das Ei des Kolumbus gibt es da noch nicht, aber da muss offengelegt werden, anhand von welchen Werten die Berechnungen zustande gekommen sind.“
Klicken Sie hier für die gesamte Ökobilanz von Puma online
Text: Catharina Swantje Muuß